Albert Massiczek
1916–2001

Prof. Dr. Anton Pelinka schreibt an Constantia Spühler:

Anton Pelinka © BR
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24. 8. 2007

Sehr geehrte Frau Spühler-Massiczek,

besten Dank für Ihren Brief vom 18. 8. Ich for­mu­lie­re in den fol­gen­den Ab­sät­zen ei­nen Text, in dem ich in knap­pen Wor­ten meine Ein­stel­lung zur Per­son Ihres Va­ters aus­drüc­ke:

Ich habe Al­bert Massi­czek in den 1960er Jahren in Wien ken­nen ge­lernt. Er be­mühte sich da­mals sehr um Kon­tak­te mit der jun­gen Ge­ne­ra­tion. Sein pri­mä­res An­lie­gen war, diese Ge­ne­ra­tion vom grund­sätz­lich ver­bre­che­ri­schen Cha­rak­ter des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus zu über­zeu­gen. Da­bei hob er im­mer sei­nen ei­ge­nen, schwe­ren Feh­ler her­vor, den er in sei­ner Ju­gend mit sei­nem Bei­tritt zur NSDAP be­gan­gen hat­te. Seine Bot­schaft war, wir – die da­mals Jun­gen – soll­ten nicht sei­nen Feh­ler wie­der­ho­len.

Ich weiß auch – von Fried­rich Heer – dass Albert Massi­czek schon bald nach dem „An­schluss“ im Kreis der Mit­ar­bei­ter des Ös­ter­rei­chi­schen In­sti­tuts für Ge­schichts­for­schung als Geg­ner des NS-Re­gi­mes galt und auch Kon­tak­te zu Wider­stands­grup­pen auf­zu­neh­men be­müht war. Des­halb bin ich über­zeugt, dass Albert Massi­czek 1938 nicht mehr Na­tio­nal­so­zia­list war.

Ich hal­te es des­halb für eine grobe Ver­zer­rung, ihn bei der ver­spä­te­ten The­ma­ti­sie­rung der In­te­gra­tion ehe­ma­li­ger Na­tio­nal­so­zial­is­ten in die SPÖ und spe­ziell in den BSA als Bei­spiel für ei­nen skan­da­lö­sen Man­gel an Sen­si­bi­li­tät be­züg­lich der Ver­bre­chen des NS-Re­gi­mes an­zu­füh­ren. Er war dies­be­züg­lich im­mer – auch in sei­nen Pub­li­ka­tio­nen – be­son­ders sen­si­bel.

Auch wenn ich Albert Massi­czeks spä­te­res po­li­ti­sches En­ga­ge­ment rund um die Wahl Kurt Wald­heims kri­tisch sehe, so muss ich doch fest­hal­ten, dass er für mich – so­lan­ge ich ihn ge­kannt habe – immer ein über­zeug­ter und über­zeu­gen­der Geg­ner des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war.

Ich bitte Sie, diesen Text so zu verwenden, wie Sie es im Sinne Ihrer Be­mü­hun­gen für rich­tig hal­ten.

Mit den besten Grüßen und Empfehlungen

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