Albert Massiczek
1916–2001

Brief von Barbara Coudenhove-Kalergi vom 22. 8. 2007

Barbara Coudenhove-Kalergi

Barbara Coudenhove-Kalergi
[Adresse]

Wien, 22. August 2007

Liebe Frau Spühler-Massiczek,

ich ver­ste­he Ihren Zorn voll­kom­men und tei­le ihn. Hier ein paar per­sön­li­che Zei­len dazu.

Ich habe Albert Massi­czek über Jah­re hin­weg ganz gut ge­kannt und bin über­zeugt, dass er, wie­wohl sei­ner­zeit be­geis­ter­ter jun­ger Nazi, an wirk­li­chen na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­bre­chen nicht be­tei­ligt war. Das passt ein­fach nicht zu ihm. Und wenn er doch beim No­vem­ber­po­grom „mit­ge­macht“ hät­te, so hät­te er das wohl in sei­nem spä­te­ren öffent­li­chen Schuld­be­kennt­nis er­wähnt. Ich meine eher, dass es sich die Au­to­ren des „Brau­ne Flec­ken-Berichts“ in­so­fern leicht ge­macht ha­ben, als sie den aus­führ­lich­sten Be­richt aus­ge­rech­net je­nem Mann ge­wid­met ha­ben, der sich selbst ehr­lich zu sei­ner Nazi-Ver­gan­gen­heit be­kannt und da­von glau­bwür­dig dis­tan­ziert hat. Die vie­len BSA-Leute, die ge­schwie­gen ha­ben, kamen glimpf­li­cher da­von.

Ich hoffe, dass es Ih­nen ge­lin­gen wird, das An­den­ken Ihres Va­ters rein­zu­wa­schen. Alle, die ihn kann­ten, sind von sei­ner grund­lege­nden An­stän­dig­keit ohne­hin über­zeugt.

Mit freundlichen Grüßen

[signiert: Barbara Coudenhove-Kalergi]

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