Albert Massiczek
1916–2001

Univ. Prof. Dr. Enno Hentschel, Brief vom 29. 7. 2007

Univ.Prof. Dr. Enno Hentschel

Univ. Prof. Dr. Enno Hentschel
Facharzt für Innere Medizin

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Von 1950 bis etwa 1964 hatte ich mit Dr. Massi­czek und sei­ner Fami­lie en­gen Kon­takt. Zeit­weise bin ich in die­sen Jah­ren nahe­zu täg­lich bei Massi­czeks ein und aus ge­gan­gen. Dem geis­ti­gen Hori­zont Massi­czeks ent­spre­chend traf ich dort Ka­tho­liken, jü­di­sche Mit­bür­ger, Lin­ke und Ul­tra­lin­ke und wann immer die Ge­sprä­che die NS-Zeit be­rühr­ten, waren sie von ei­ner ab­so­lut zwei­fels­frei­en an­ti­fa­schis­ti­schen Hal­tung ge­prägt.

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Wenn es eines wei­tern Be­wei­ses für die echte Ge­sin­nung Massi­czeks und sei­ner Fami­lie be­dürf­te, sei an die be­kann­te Foto­gra­fie aus der Aus­stel­lung „Phy­sio­gno­mie der 2. Re­pub­lik“ im ober­en Bel­ve­de­re 2005 er­in­nert, die eine Grup­pe jun­ger Men­schen zeigt, die mit einem Juden­stern an der Brust öf­fent­lich ge­gen das Schand­ur­teil über den NS-Scher­gen Franz Murer pro­tes­tier­en: es zeigt in der Bild­mitte 2 Kinder Massi­czeks, Con­stan­tia und Chris­toph und ich kann be­zeu­gen, dass de­ren Teil­nah­me an die­ser muti­gen Ak­tion im Ei­nklang und im Sin­ne Al­bert Massi­czeks und nicht etwa aus Oppo­si­tion zu ihm er­folg­te.

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Dr. Albert Massi­czek war sicher­lich ein streit­ba­rer Mann und ein un­be­que­mer Den­ker. Als ka­tho­li­scher So­zia­list spar­te er nicht mit Kri­tik nach bei­den Sei­ten und schuf sich da­mit nicht nur Freun­de. […]

29. 07. 2007 Dr. Enno Hentschel

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