Albert Massiczek
1916–2001

Brief von Dr. Amalie Oppenheim vom 24. 10. 1950

[Melbourne] 24. IX. 1950

Lieber Herr Dr.!

Warum ich Ihren Brief vom Vor­jahr nicht be­ant­wor­tet habe, ist schwer zu sa­gen, aber leicht zu ver­ste­hen: Es ist mir all­zu schmerz­lich, Ver­fü­gun­gen zu tref­fen, um die­sen letz­ten Rest der Bib­lio­thek mei­nes gel. Man­nes, an der er mit stol­zer Lie­be hing, „nutz­brin­gend“ zu ver­wer­ten! So habe ich ge­zö­gert, und Sie ha­ben mir die­ses Zö­gern er­leich­tert, in­dem Sie mir in Ihrem Brie­fe einen Nach­trag der Liste (die 10 Bän­de, die bei Ihren El­tern wa­ren) & einen aus­führ­li­chen, pri­va­ten „un­be­las­te­ten“ Brief in Aus­sicht stell­ten. So war­te­te ich & hat­te immer den Vor­wand für mein Nicht­schrei­ben. Nun aber muß ich Ihnen ant­wor­ten. Zu­nächst soll­ten Sie die Bü­cher, die Ihnen mein Mann schenk­te, als Ge­schenk zu seinem An­den­ken be­hal­ten & sei­nen Namen in die Bücher schrei­ben. Die übri­gen Bücher bitte ich Sie best­mög­lich zu ver­kau­fen. (Sie schrie­ben mir auch im Vor­jahr, daß Ihr be­kann­ter Anti­quar Hinter­berger Ihnen ein Kauf­an­ge­bot mit Preis­an­ga­be machen wer­de, das Sie mir mit­tei­len woll­ten. Nicht zu ver­kau­fen sind die Bücher über Kunst, bes. mit Illu­stra­tio­nen, für die meine Kin­der gro­ßes Inter­esse ha­ben & eng­li­sche Bücher.

Viel­leicht könn­ten Sie eini­ge Kunst­bücher aus dem Er­lös der wissen­schaftl. Werke kau­fen und meinem Paket (in Car­ton & Öl­papier ver­packt) her­sen­den. Die Adres­se ist jetzt, nach (Über­siedlung): ℅ Doris Liff­mann, Fl. 5112A, West­bury Street, St.Kilda, Mel­bourne.

Den nach Ab­zug der Spe­sen ver­blei­ben­den Rest des Er­lö­ses bitte ich Sie, mei­ner Kusine Frau Bertha Roth­berg, II. Franz Hoch­edlingerg. 5/9 zu geben. Sie wis­sen, dass ich ihr für alles, was sie mir in The­re­sien­stadt & in Wien ge­leis­tet und ge­ge­ben hat, nicht bloß Dank schul­de!

Ich würde das Geld auch hier gerne ge­brau­chen, aber das ist nicht mög­lich, so will ich we­nigs­tens meine Schuld be­zah­len, so­weit das mög­lich ist.

Der Tod Dr. Seif­ferts, ei­nes der bes­ten Freund­e meines gel. Man­nes, hat mich tief er­schüt­tert; sind seine Söh­ne schon be­rufs­tä­tig? – Wo ist Dr. Heer? Was macht er & wie geht es ihm? Hören Sie was von Dr. Fich­tenau? Wo ar­bei­ten Sie selbst?

Es freut mich, dass die Sa­che mit R. glatt & rei­bungs­los ge­ord­net ist, ich habe auf meine Brie­fe nach Lon­don & Ame­ri­ka kei­ne Ant­wort be­kom­men. Ihren Namen hatte ich nicht ge­nannt.

Besten Dank für Ihre Mühe und herz­liche Grüße an Sie & Ihre Lieben! Ihre alte

Dr. A. Oppenheim

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