Albert Massiczek
1916–2001

Artikel in „Das jüdische Echo“, 1 Vol xxxv, Oktober 1986

Gefühle oder Die Impotenz, mit sich selber umzugehen

Von Albert Massiczek

Vor zwanzig Jahren hatte mich „Das jüdische Echo“ eingeladen, zum Fall Borodaj­kewycz Stellung zu nehmen. Ich tat dies unter dem Titel „Der Anti­semiti­smus blockiert Öster­reichs Zukunft“. Die vor­liegen­den Zeilen sind nicht als Wieder­holung gedacht, doch hole ich einiges, das ich damals ges­chrie­ben habe, bewußt aus der Ver­gangen­heit herauf. Es läßt sich dann fest­stellen: Was hat sich seither geändert?

Der Fall B. dürfte der jungen Gene­ration kaum dem Namen nach bekannt sein; wer in mittleren Jahren ist, wird sich erinnern, was er aus der Nähe erlebt hat: Taras Borodaj­kewycz war Professor für Wirt­schafts­geschich­te an der Hoch­schule für Welt­handel (heute Wirt­schafts­uni­versi­tät Wien). Seine akade­mische Lehr­tätig­keit hatte eine deut­lich anti­semiti­sche Schlag­sei­te. Zwei sozia­lis­tische Stu­den­ten, die heuti­gen Minis­ter Lacina und Schmidt, brach­ten die Sache an die Öffent­lich­keit. Es kam zu De­mon­stra­tio­nen rechts­ra­di­ka­ler Stu­den­ten (manche davon haben es eben­falls zu hoch­rangi­gen Politi­kern gebracht). Unter anderem ertönte der Ruf „Hoch Ausch­witz!“ Der da­ge­gen demon­strie­rende Demo­krat Kirch­weger wurde von einem Nazi­stu­den­ten at­tac­kiert und starb an den Folgen. Dem Begrä­bnis gaben 25.000 Öster­rei­cher, darun­ter Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung, das Geleit. An­schlie­ßend beschäf­tigte der Fall B. die Gerichte.

Um das Jahr 1938 war ich Student, B. schon Hochs­chul­leh­rer.

Wohl 1940 dürfte er über gemein­same Bekannte erfahren haben, daß ich mich 1938/39 be­wußt der ka­tho­li­schen Kirche zuge­wandt hatte. Daß ich seine politi­sche Ein­stel­lung längst nicht mehr teilte – ich hatte mich 1938 vom An­hänger des Nazi­regimes zu dessen Gegner ent­wickelt –, war ihm ver­borgen ge­blie­ben. Der ebenso enga­gierte Nazi wie enga­gierte Ka­tho­lik hielt mich für seines­glei­chen.

Ein ein­zig­es Mal, wohl Mitte 1941, kam es zum An­satz eines Ges­prächs. Ich erin­ne­re mich daran sehr deut­lich. Ich war­tete damals im Haus-, Hof und Staats­archiv am Mino­riten­platz da­rauf, zu dessen Lei­ter, mei­nem ehe­mali­gen Uni­ver­si­täts­leh­rer Lothar Groß, vor­ge­las­sen zu wer­den, um mich als Ab­sol­vent des Insti­tutes für Öster­reichi­sche Ge­schichts­for­schung um eine Stel­le im Ar­chiv­dienst zu bew­erben. Als ich im Vor­raum der Di­rek­tion saß, nicht absichts­los in Zivil und ohne Ab­zeic­hen, aber in­folge einer Kriegs­verlet­zung um ein Auge är­mer als ein Jahr zu­vor, be­trat der von uns jun­gen In­sti­tuts­mit­glie­dern scherz­haft als Taras Bulba bez­eich­nete Do­zent B. den Raum und be­grüß­te mich auf­fa­llend herz­lich. Als Zivi­list fühlte ich mich im Reich der Uni­for­mier­ten zu kei­ner­lei Zackig­keit ver­pflich­tet. Höf­liche Ver­beu­gung und Hände­druck erschie­nen mir als ange­messen.

B. war in der Uni­form eines Po­li­ti­schen Leiters der NSDAP, im Volks­mund der Farbe wegen Gold­fa­san ge­nannt. Ein klei­ner, spin­del­dür­rer Mann mit blon­dem Hit­ler­schnurr­bart und mar­tiali­schem Auf­tre­ten. Er kam so­fort auf das für ihn Wesent­liche: daß es uner­hört sei, wie man „uns Katho­liken“ jetzt zusetze, nachdem wir in der Schusch­nigg­zeit unseren Kopf hin­ge­hal­ten hätten. „Wir“ sei­en doch ei­gent­lich die ver­läß­lich­sten und in­folge unse­res katho­li­schen Glau­bens die ehr­lich­sten und über­zeug­tes­ten Deut­schen und Natio­nal­sozia­lis­ten.

Es ist heute un­erheb­lich, in wel­cher Form ich damals auswich. Jeden­falls gab es keinen Zwei­fel an der Auf­rich­tig­keit und sub­jekti­ven Über­zeu­gung der B.’schen Aus­sage. B. zeigte sich eben­so zor­nig wie ge­kränkt, eben­so offen­siv wie zur – be­grenz­ten – Oppo­si­tion ent­schlos­sen.

Begrenzte Welt­sicht

Ich erwähne mit Bedacht B.’s gute Eigen­schaf­ten: B. war ehr­lich, freund­lich, für Stu­den­ten stets zu­gäng­lich, flei­ßig, fach­lich sehr ge­bil­det. Was hatte ihn zum Nazi gemacht? Was ließ ihn, den christ­lich gläu­bi­gen Men­schen, trotz al­ler öf­fent­lich ve­rüb­ten Greuel – 30. Juni 1934, Nürn­berger Ge­set­ze, „An­schluß-Tor­tu­ren, Sturm auf das Wie­ner Erz­bi­schöf­li­che Pa­lais, Kri­stall­nacht, stän­di­ger Ab­trans­port von Ju­den – bei seiner po­li­ti­schen Li­nie blei­ben? Obwohl Zeit­zeuge, wußte er damals über die nazisti­schen Un­taten natür­lich viel weni­ger als wir heute, abge­sehen da­von, daß die innere Dyna­mik der NS-Krimi­nali­tät noch nicht ihren Höhe­punkt er­reicht hat­te und eine ziem­lich per­fekte Ge­heim­hal­tung plus ge­flis­sent­licher Flüs­ter­pro­pa­gan­da dafür sorg­te, eine „Ansied­lung der Juden im Osten“ als immer­hin mög­lich er­schei­nen zu lassen. Als in­tel­li­gen­ter Zeit­ge­nos­se mit Au­gen im Kopf und den bes­ten Be­zie­hun­gen zu in­for­mier­teren Kreisen wußte er da­mals aber zu­min­dest so­viel wie ich. Sei­ne Empö­rung galt jedoch nicht der of­fen zu­tage­lie­gen­den Un­mensch­lich­keit gegen­über den Juden, gleich­gül­tig ob sie von Ab­trans­port, Ari­sie­rung, Be­rufs­verb­ot, Woh­nungs­raub usw. ge­kenn­zeich­net war, son­dern der feh­len­den Würdi­gung katho­li­scher Ver­dienste für die deuts­che Beset­zung Öster­reichs und das, was sich um sie herum Politik nannte.

Seit damals ist B. für mich der Proto­typ einer vor, wäh­rend und nach der Nazi­zeit in Öster­reich in einer be­stimm­ten Schicht vor­herr­schen­den Men­ta­li­tät. Ihr auf­fäl­lig­stes Merkmal ist der ent­weder offene oder latente, zu­ge­ge­be­ne oder ver­leug­nete, im Bundes­präsi­den­ten­wahl­kampf 1986 bewußt als politi­sches Mittel ein­ge­setzte Anti­semi­tis­mus.

Als Mit­glied des Pro­gramm­aus­schus­ses des „All­gemei­nen Deut­schen Katho­liken­tages 1933“ in Wien ge­hörte B. zu den Pro­mi­nen­ten des heimi­schen Ka­tholi­zismus. Es ist hier nicht der Ort, sich mit der Ver­flech­tung nicht weni­ger An­gehöri­ger dieser Promi­nenz (auch der heuti­gen noch) mit dem Na­zis­mus vor dessen Macht­ergrei­fung näher zu be­fassen. In der Mitte des Inter­esses steht die Frage nach einer „Welt­an­schau­ung“, für die die Dis­krimi­nie­rung „des Juden“ ein zen­tra­les Ele­ment sein kann.

Diese Welt­anschau­ung war nicht erst mit B. auf die Welt gekommen. Sie hatte zumin­dest ein euro­päi­sches Jahr­tau­send be­herrscht und stand zu päpst­li­chen und bischöf­li­chen Enun­zia­tion­en nicht sehr häu­fig im Gegen­satz. Die deut­sche Volks­aus­gabe wurde in wüns­chens­wer­ter Deut­lich­keit von einem Pro­fes­sor Riemann 1817 (bei der Er­öff­nung des Wart­burg­fes­tes“) auf den Begriff ge­bracht: „Alles wahrhaft Christ­liche ist auch deutsch, alles echt Deut­sche ist in Wahr­heit christ­lich.“ B.’s öster­reichis­cher Ka­tholi­zis­mus hatte an solch deutsch-protes­tan­ti­scher Aus­sage bez­eich­nender­weise nichts aus­zu­set­zen.

Arcanum Austriacum

Als die Kaiser­krone Karls des Großen „auf die Stirne des deut­schen Königs“ (Otto des Großen) kam, „trat Deutsch­land an die Spitze der Chris­ten­heit“, schrieb B. 1936, und im 6. Jahr­hun­dert habe – mit B. – ein immen­ses Un­glück ge­droht, nämlich „dem Herz­stück Mit­tel­euro­pas“. Alles hätte damals den An­schein gehabt, als ob unse­re Land­stri­che „dau­ern­des Be­sitz­tum der Slawen wür­den: Un­kultur und Hei­den­tum wären dann wohl auf län­gere Zeit ihr Los ge­wesen …“ Hier trat nur B.’s Ein­schät­zung der slawi­schen Ahnen zutage. Was er über „den Juden“ fühlte und dachte, kam damals und später nur münd­lich heraus. B. wich, wie die meis­ten seiner Gesinn­ungs­genos­sen in der Zeit vor Hitler, der offe­nen Er­örte­rung dieses Themas und der schrift­lichen Fest­le­gung aus. Es wäre falsch, dieses Schwei­gen als Zei­chen der Schwä­che zu deuten. Man darf darin getrost die schüt­zende Hülle um das „Arcanum“ sehen. (Dieses latei­ni­sche Wort be­deu­tet: das Gehei­me. Es meint im inner­katholi­schen Sprach­geb­rauch das zen­tra­le Kult­ge­heimn­is, stand aber früher all­gemein im Ge­brauch für medi­zini­sche Wunder­mittel.) Es handelt sich um das Nicht­reden über jenes tief­ste Wissen, das Ein­ge­weih­ten selbst­ver­ständ­lich ist und dem Frem­den nicht mit­ge­teilt wird. „Arcanum“ ist das nur einer engen Öffent­lich­keit eigene Ge­heim­nis. In ihm ist man sich über alle Diffe­renzen hinweg einig. Diese Diffe­renzen sind ein Nichts, gemessen an jener abso­luten Distanz zu …? Natür­lich den Juden. So komisch das anmuten mag: Die heile Welt der Boden­stän­dig­keit hat sich im Kon­tras­tmit­tel „Jude“ eine ihrem Vor­stel­lungs­inven­tar ent­spre­che­nde Sym­bol­ge­stalt alles Frem­den, Be­weg­li­chen, Unver­stan­den­en ge­schaf­fen und damit den kleb­rig­sten Kitt ihres Zu­sam­men­halts pr­odu­ziert. Um sich des Vor­han­den­seins dieses Binde­mit­tels auch im Tisch­nach­barn zu ver­ge­wis­sern, genügt ein Schib­boleth, ein bestimm­tes Reiz­wort, eine hoch­gezo­gene Braue, das spötti­sche Heben eines Mund­win­kels. Sapienti sat – dem „Wis­sen­den“ gen­ügt es. Was man für jüdisch hält, spiegelt das ver­ständnis­innige „ari­sche“ Mienen­spiel.

B. war Sender und Empfän­ger jener ehren­werten öster­reichi­schen Gesell­schaftl­ich­keit, in der man alles Jüdi­sche tradi­tion­ell als fremd emp­fin­det, wie noch vor einem hal­ben Jahr­hun­dert die Zigeu­ner – nur daß man die Zigeuner, anders als die Juden, in Städten wie Wien kaum zu Gesicht bekam. B.’s ererbte und vererbte „Selbst­ver­ständ­lich­keit“ den Juden gege­nüber ist kon­sti­tuie­ren­des Ele­ment unse­rer Boden­ständig­keit. Hier hat alles Fremde fremd zu bleiben. Weil es un­ver­stan­den ist und bleibt, wird es in durch­aus mittel­alter­li­cher Weise jen­seits der alt­ver­tra­uten Stän­de und Um­stän­de an­ge­sie­delt. Nur wer hier seit jeher Stand hat, hat auch An­stand und Ehre und weiß, was an­stän­dig ist. Solch Selbst­ver­ständ­nis muß sich treu bleiben, will es nicht einen Riß zur Welt­offen­heit be­komm­en. Wo kämen wir hin, würde das Aus­land uns vor­schrei­ben, welche Poli­tik in unse­rem Land zu machen ist!

Um 1960 hatte der aka­demi­sche Lehrer B. in Vor­lesun­gen Rosa Luxem­burg „jüdi­sche Massen­auf­peit­sche­rin“ ge­nannt; jüdisch war für ihn die SPD, und „der Jude Auster­litz … hatte zu Bürger­krieg und Putsch aufge­for­dert“. Ein jun­gaka­demi­sches Publi­kum, sorg­fäl­tig von öster­rei­chi­schen Leh­rern in die Zeit­geschich­te eingeführt, hatte seines Pro­fes­sors Kunst­pausen nach Wen­dun­gen wie „der Jude Kelsen“ oder „der Jude Hugo Preuß“ mit Zu­stim­mung und Ge­läch­ter gefüllt.

Immer­hin ur­teil­te ein öster­reichi­scher Richter, der Haupt­ak­zent sei bei B. auf des­sen „tief­ein­ge­wurzel­ten Anti­semi­tis­mus zu legen“. Was die Person B. angeht, wäre dem nichts hinzu­zu­fügen. Aber der Herr Pro­fes­sor war ja, über das Pri­vate hinaus­rei­chend, ein gesell­schaft­liches Phäno­men. Er öff­nete sein Herz, wo er der Zu­stim­mung sicher sein konnte. Und darin ist er, samt Pub­li­kum, auch re­prä­sen­ta­tiv für die öster­reichi­sche Gegen­wart.

„Gefühle, die wir alle nicht wollen“

Im Präsi­dent­schafts­wahl­kampf 1986 wurden für Proto­typ B. reich­lich Belege gelie­fert. „Infame Nieder­tracht“, „ehr­lose Gesellen“, Presse­macht „Welt­juden­tum“ – wie im „Völki­schen Beob­ach­ter“. Auch brave, an­stän­dige, auch aka­de­misch Gebil­dete, ja sogar sozia­listi­sche Da­men und Her­ren waren em­pört, ganz im Sinne des längst ver­stor­be­nen Professors B. Wer nicht in der Gnade steht, unserem Juste Milieu an­zu­geh­ören, emp­fand anders. Jene jüdi­sche Dame zum Bei­spiel, die auto­fah­rend das Mit­tags­jour­nal anhörte, wo gerade B-konforme Scharf­sinnig­keiten Promi­nen­ter gebo­ten wur­den. Sie mußte anhal­ten, weil sie so sehr von der Angst an­ge­fal­len wurde. Sie trau­te sich plötz­lich nicht mehr zu, den Wagen sicher zu lenken. Wer unter seinen Ver­wand­ten tote „Helden“ hat, die ein „boden­ständi­ges“ Regime gegen „eine Welt von Fein­den“ ver­tei­dig­ten, ermißt auch mit größ­ter Mühe nicht, was seine Worte bei jenen an­rich­ten, die „trotz­dem“ übrig­ge­blie­ben sind …

Kein Zweifel, die Welt­lage hat sich geän­dert. Die Anti­semi­ten dürfen nicht mehr Befehle zur Betä­ti­gung be­stimm­ter Hebel in ein­ge­zäun­ten Ver­brauchs­zen­tren deut­scher Chemie­kon­zer­ne er­tei­len. Es hat sich auf­ge­hört, im Radio zu pro­kla­mie­ren, die Juden seien an allem schuld. Wer an Gallen­stei­nen oder Eifer­sucht leidet, darf nicht mehr dem Nächst­besten eine he­run­ter­hauen, wenn er ihn für einen Juden hält. Auch hat das deut­sche Wesen an At­trak­tivi­tät eingebüßt. Sla­wisch­namige Ös­ter­rei­cher fühlen sich daher nicht mehr getrie­ben, den Makel ihrer Gast­ar­bei­ter­her­kunft mit He­rum­tram­peln auf noch „Frem­de­ren“ und de­mon­stra­ti­vem Ein­tre­ten für die edle Orts­an­sässig­keit zu kom­pen­sieren, wie die Herren Globoc­nik, Jury, Reschny, Skorz­ney und – Taras von Boro­dajke­wycz. Es ist sogar zu ei­ner ge­wis­sen Mo­der­ni­tät gelangt, sich als Ös­ter­rei­cher zu füh­len und die im­mer­wäh­ren­de Neu­tra­li­tät zu schät­zen. Aber das Schwerst­wiegen­de ist ge­blie­ben. Seine Zei­chen: emo­tio­nen­wec­ken­de Reiz­wor­te, ver­ständ­nis­inni­ge Blicke, Anti­semi­tis­mus als Mit­tel der Po­li­tik. Das Arca­num ist noch nicht ge­lüf­tet, Tü­ren und Fen­ster fest ver­schlos­sen. Ver­nunft und Moral sind in­ner­halb der Pro­vinz ver­blie­ben.

Was birgt das heilige Geheimnis?

Ich nehme das Sakri­leg auf mich, das B.’sche Arcanum wie einen alten Hut hoch­zu­he­ben und auf­zu­zäh­len, was darun­ter sicht­bar wird:

  • die Unfähigkeit, sich mit einer der ältes­ten Kultu­ren ernst­lich zu be­fass­en;
  • die Angst, jenes eng- und alt­ver­trau­te Inven­tar hinter sich zu las­sen, das seit den Kirchen­vä­tern den Juden im christ­lichen Abend­land die Vogel­frei­heit ver­ord­nete;
  • eine in vielen Genera­tio­nen zise­lierte Minimal­phan­ta­sie, die nur das Auf­nehmen und Weiter­ge­ben von Ste­reo­ty­pen („Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten“) ge­stat­tet;
  • das Gefühl der Ver­pflich­tung, jene als Nest­bes­chmut­zer zu de­nun­zie­ren, die das Brett vor dem Kopf durch­stoßen haben;
  • das Kleben an Autori­täten, die an längst dahin­ge­gan­ge­nen Au­to­ri­tä­ten kle­ben;
  • die Furcht, mit welt­er­fah­re­ne­ren, wen­di­geren, beweg­li­che­ren, tüch­ti­gen, phan­ta­sie­rei­chen, empfind­liche­ren (also sen­sib­ler­en), ver­fol­gungs­ge­wohn­ten, darum to­des­nähe­ren An­de­ren täg­lich prak­ti­zier­te Ge­mein­sam­keit zu wa­gen;
  • die Abnei­gung, das Gleich­ge­wicht tri­via­len Exis­tie­rens in die zen­trale Di­men­sion ele­men­tar-mensch­li­chen Sich­wei­ter­ent­wic­keins zu ver­wan­deln.

Die Welt­lage hat sich radikal gewan­delt. Es wäre Zeit, dem zu ent­spre­chen. Das Schick­sal unse­rer klei­nen Welt, in der an­geb­lich die große ihre Probe hält, ist vor aller Augen, die sehen können, kein anderes als das Schick­sal der ganzen Mensch­heit. Die For­de­rung der Stunde an jeden einzel­nen kann nur sein, endlich die tod­ernste radi­kale Ent­schei­dung zu treffen. Wer in seinem Arcanum kleben bleibt, fällt der töd­lich be­droh­ten Mensch­heit zur Last.

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