Albert Massiczek
1916–2001

Statement Dr. Amalie Oppenheim vom 11. 9. 1945

Wien, 11. IX. 1945

Ich bin nach 3 Jahren aus dem K.Z. The­re­sien­stadt zurück­ge­kehrt und füh­le es als meine erste Pflicht, unse­rem be­währ­ten, guten Freund, Dr. Albert Massi­czek, unse­ren Dank für seine stete Hilfs­bereit­schaft ab­zu­stat­ten.

Mein Mann, Dr. David Ernst Oppen­heim, Pro­fes­sor am akad. Gym­na­sium hier, der in The­re­sien­stadt ge­stor­ben ist, hat ihn durch ei­nen Schü­ler, Dr. Fritz Heer, im Jah­re 1938 ken­nen ge­lernt. Seit die­ser Zeit hat Dr. Massi­czek uns häu­fig be­sucht, selbst un­ter be­wuß­ter Ge­fähr­dung sei­ner Sicher­heit, in vol­ler Wehr­machts­uni­form, selbst als er durch die schwar­ze Binde über dem Auge al­lzu kennt­lich war. Er hat uns je­des­mal zahl­rei­che nö­ti­ge, uns feh­len­de Le­bens­mit­tel und an­de­res ge­bracht, ei­nen gro­ßen Teil der wert­vol­len Bib­lio­thek mei­nes Man­nes zu sich ge­nom­men und so ge­ret­tet. Nach The­re­sien­stadt hat er uns wie­der­holt Lie­bes­ga­ben­pa­ke­te ge­schickt, die für uns von we­sent­li­cher Be­deu­tung wa­ren. Ne­ben die­ser ma­te­ri­el­len Un­ter­stüt­zung war auch die mo­ra­li­sche Hil­fe un­ge­mein wert­voll.

In län­ge­ren Ge­sprä­chen mit mei­nem Mann, mit dem er sich auch über seine Lehr­tä­tig­keit be­riet, hat Dr. Massi­czek schon im Jahr 1938 uns ge­zeigt, daß er, wenn er auch ein­mal in der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­we­gung stand, sich be­reits 1938 völ­lig von ihr ab­wen­de­te. So hät­te er am 9. No­vem­ber 1938 im Hau­se mei­nes Ku­sins (Kimstadt, Nelkengasse) plün­dern sol­len, hat dies aber nur zum Schein ge­tan, den Woh­nungs­in­ha­ber im üb­ri­gen ge­warnt und ge­schützt.

Dr. Massi­czek ist ber­eits im Jah­re 1938 durch un­se­ren ge­mein­sa­men Freund, Dr. Fritz Heer, in die Ka­tho­li­sche Be­we­gung ein­ge­führt wor­den, für die er schon da­mals werk­tä­tig ar­bei­te­te.

So ist es un­se­re wohl­be­grün­de­te Über­zeu­gung ge­wor­den, daß Dr. Massi­czek der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Be­we­gung seit 1938 feind­lich ge­gen­über­stand.

Dr. Amalie Oppenheim

II. Franz Hochedlingerg. 5/9

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