Albert Massiczek
1916–2001

Statement Dr. Otto Brechler vom 13. 6. 1945

Herr Dr. Albert Massi­czek ist mir seit vielen Jahren durch Um­gang und Amts­bezie­hung be­kannt. Seit ich ihn ken­ne habe ich [ihn] in auf­rich­ti­ger Ab­kehr von den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen An­schau­un­gen be­ob­ach­ten kön­nen; er hat die Theo­rie als ir­rig, die Pra­xis als ver­ur­tei­lens­wert wie­der­holt be­zeich­net; schon früh­zei­tig wa­ren re­li­giö­se An­sichts­punk­te in den Vor­der­grund ge­tre­ten; wäh­rend der Zeit, in wel­cher er mir in der Hand­schrif­ten­samm­lung der Na­tio­nal­bib­lio­thek un­ter­stellt war, war ein ka­tho­li­scher Stand­punkt, der mit Ent­schie­den­heit ver­tre­ten wur­de, ma­ni­fest. Ich hatte Ge­le­gen­heit, Akte der Teil­nah­me und Hil­fe­lei­stung für ver­folg­te Ju­den und Ka­tho­li­ken zu be­ob­ach­ten; ich wüss­te kei­nen Fall ent­schie­de­ne­rer und tä­ti­ge­rer Ein­sicht und Um­kehr als ihn an­zu­füh­ren. Als sein Vor­ge­setz­ter habe ich auch seine wis­sen­schaft­li­chen, be­amt­li­chen und kol­le­gia­len Qua­li­tä­ten ein­zu­schät­zen Ge­le­gen­heit ge­habt. Es liegt mei­nes Er­ach­tens im In­ter­esse der ös­ter­rei­chi­schen Wis­sen­schaft und der Wie­ner Na­tio­nal­bib­lio­thek sich sei­ne Per­sön­lich­keit zu er­hal­ten.

Wien, am 13. Juni 1945

Dr. Otto Brechler
Direktor an der Nationalbibliothek in Wien,
Leiter der Handschriftensammlung
Wien I Josephsplatz 1

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