Albert Massiczek
1916–2001

Statement Dr. Gerhard Schutovits vom 6. 3. 1950

Wien, 6. III. 50

Dr. Gerhard Schutovits
Wien XIX.,
Billrothstr.11

Eides­statt­liche Er­klä­rung.

Ich kenne Herrn Dr. Massi­czek von un­se­rer Stu­den­ten­zeit an der Uni­ver­si­tät. Wir ver­kehr­ten da­mals in ver­schie­de­nen aka­de­mi­schen Krei­sen, dar­un­ter auch mit Mit­glie­dern ei­ni­ger Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen. Nach dem „Um­bruch“ 1938 soll­ten die Mit­glie­der meh­re­rer Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen kor­por­a­tiv als SS Be­wer­ber zu­ge­las­sen wer­den. Als „Ver­kehrs­gäs­te“ wur­den Dr. Massi­czek und ich eben­falls als SS Be­wer­ber er­fasst. Mir ist be­kannt, daß auch die Teil­nahme an sport­li­chen und kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen von Stu­den­ten­ver­bin­dun­gen vor dem März 1938 als Be­wer­ber­schaft an­ge­rech­net wurde. Ich selbst wur­de aus rassi­schen Grün­den in die SS nicht auf­ge­nom­men. Ich er­inne­re mich ge­nau, dass Herr Dr. Massi­czek be­reits we­ni­ge Wo­chen nach dem „Um­bruch“ mit We­sen und Ziel­set­zung des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und be­son­ders den Dok­tri­nen der SS alles eher denn ein­ver­stan­den war. Außer­dem ist mir be­kannt, daß Dr. Massi­czek nicht aus der Kir­che aus­ge­tre­ten ist, wie es von SS An­ge­hö­ri­gen ver­langt wur­de, im April 1940, als mei­nes Wis­sens alle An­ge­hö­ri­gen der All­ge­mei­nen SS in die Waffen-SS ein­ge­zo­gen wur­den, zur Wehr­macht ein­rück­te und ohne Ge­neh­mi­gung der SS hei­ra­te­te. Er erz­ähl­te mir da­mals, daß er eine Nich­te des Gene­rals von Schlei­cher ge­hei­ra­tet habe, was bei den da­ma­li­gen Ver­hält­nis­sen für ihn eine sehr ris­kan­te Sache war. Aus all dem schlie­ße ich, daß Dr. Massi­czek nie­mals regel­recht im Sinne der Sta­tu­ten der SS in die SS auf­ge­nom­men wurde.

[signiert: Dr. Schutovits]

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