Albert Massiczek
1916–2001

Statement Elisabeth Pfanhauser vom 1. 3. 1947

Elisabeth Pfanhauser
Diesterweggasse 5

Ich lernte Dr. Albert Massi­czek im Herbst 1938 im Hau­se des von der NS-Herr­schaft ge­maß­re­gel­ten und vom Dien­ste sus­pen­dier­ten, da­mals unter An­klage der Staats­an­walt­schaft ste­hen­den Uni­vers­itäts­pro­fes­sor Dr. Alfred Berger, Wien 13, Adolfs­tor­gas­se 21 – sei­nem nach­ma­li­gen Schwie­ger­va­ter – ken­nen.

Dr. Massi­czek ver­an­stal­te­te im Win­ter 1938/39 immer wie­der inter­kon­fes­sio­nel­le Aus­spra­chen zwi­schen jun­gen Ka­tho­liken und Pro­tes­tan­ten – so im Hause Dr. Ber­gers, Dr. Richard Bran­des’ und in mei­ner Woh­nung – in de­nen er sich of­fen als Geg­ner des NS-Regi­mes be­kann­te und das Ziel ver­folg­te, uns Jün­ge­ren die Hin­ter­grün­de des NS-Regi­mes zu ent­hül­len und das Chris­ten­tum als den ein­zi­gen Weg aus dem po­li­ti­schen und mo­ra­li­schen Cha­os auf­zu­zei­gen. Die­se Dis­kus­sio­nen ver­ei­nig­ten immer etwa 10–15 Teil­neh­mer.

Durch sei­nen, aus sei­ner po­li­ti­schen Um­kehr ver­ständ­li­chen tie­fen Ein­blick in die Ver­hält­nis­se ge­lang es ihm immer wie­der, auch inner­lich Schwan­ken­de zu über­zeu­gen und ehe­ma­li­ge Na­zis zu be­keh­ren.

Als Dr. Massi­czek ein­rück­te und sei­ne Re­kru­ten­zeit in Retz in Nie­der­ös­ter­reich ver­brach­te, stand er in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit Dr. iur. Wolf­gang Ma­ren­zel­ler, der sich in der glei­chen mi­li­tä­ri­schen Ein­heit als Re­krut be­fand und dort eine Wühl­tä­tig­keit be­gon­nen hat­te, spä­ter in Frank­reich de­ser­tier­te und heu­te Ser­geant in der bri­ti­schen Wehr­macht ist.

Dr. Albert Massi­czek ge­hör­te nach mei­nem Ein­druck seit sei­ner Be­keh­rung im Jah­re 1938 zu den ak­tiv­sten und inner­lich über­zeug­te­sten Geg­nern des Hit­ler-Regi­mes, dies un­ter den ge­fähr­lich­sten Um­stän­den. Die stän­di­ge Le­bens­ge­fahr ver­ach­tend ver­folg­te er un­ter Hint­an­set­zung sei­ner Per­son die Ver­wirk­li­chung des klar er­kann­ten Zie­les des Stur­zes der Hitler­herr­schaft und der Wie­der­her­stel­lung der öster­reichi­schen Un­ab­hän­gig­keit.

[signiert: Elisabeth Pfanhauser]

Wien, am 1. März 1947

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