Albert Massiczek
1916–2001

Statement Friedrich Heer vom 1. 3. 1947

Dr. Albert Massiczek ist mir als Studien­kollege an der Wie­ner Uni­versi­tät seit 1935 be­kannt. 1936 wur­den wir beide als Mit­glie­der in das Oesterr. Insti­tut für Ge­schichts­for­schung auf­genom­men, eine Lehr- und Lern­gemein­schaft, wel­che eine klei­ne Grup­pe von Stu­den­ten zu täg­li­cher wissen­schaft­li­cher Zu­sam­men­ar­beit ver­pflich­te­te. Un­sere Be­zie­hun­gen blie­ben bis zum Um­sturz 1938 kühl, da ich ihn für ei­nen An­hän­ger des da­mals im Insti­tut all­mächti­gen Nazis­mus hielt.

Mit dem Um­sturz 1938 wurde mei­ne Posi­tion im Insti­tut un­halt­bar; ich wurde aus der Insti­tuts­gemein­schaft aus­ge­schlos­sen, durf­te aber, um meine Stu­dien fort­set­zen zu kön­nen, auf dem Gang des Insti­tuts ei­nen Platz bele­gen. An­zeigen gegen mich bei der Gestapo und an­de­re po­li­ti­sche Schwie­rig­kei­ten – aus Insti­tuts­krei­sen – häuf­ten sich.

Da trat, weni­ge Mo­na­te nach dem März 1938, ein Um­schwung ein. Dr. Massi­czek näher­te sich mir und ich konn­te aus Wort und Tat sehr bald er­ken­nen, daß er ein im bes­ten Sinne des Wor­tes fa­nati­scher Geg­ner des Nazis­mus war. […]

Wien, Universität, den 1. 3. 1947.
Dr. Friedrich Heer

© lucdesign 2008 • Impressum