Albert Massiczek
1916–2001

Brief von Heinz Fichtenau, 19. 8. 1945

19. 8. 45

Lieber Albert,

herz­li­chen Dank für Dei­ne lie­ben Be­mü­hun­gen, mir von meinen El­tern etwas zu­kom­men zu las­sen. Be­son­ders für die Soh­len bin ich so sehr dank­bar. Wegen Dei­ner Reise­doku­mente war ich damals sofort zwei­mal bei Kara­sek, der sie nicht mir geben, son­dern Dir selbst brin­gen woll­te. Wie ich fürch­te, ist er nicht ge­fah­ren – über­haupt ist mei­ne Mei­nung von seiner Ver­läß­lich­keit nicht die aller­beste; man könn­te da, glau­be ich, un­an­ge­nehm über­rascht wer­den.

Wegen Dei­ner Sachen schrieb Burgi schon, daß drei An­zü­ge weg sind. Bei den fort­wäh­ren­den wochen­lan­gen Durch­su­chun­gen u. Ein­quar­tie­run­gen war es un­mög­lich, alles zu ret­ten; aber Klei­der u. Wä­sche sind noch da, immer­hin, an der Wä­sche par­ti­zi­pie­re ich jetzt, ich hof­fe, Du bist mir nicht bös darü­ber, u. kannst von mei­nen Sachen et­was brau­chen.

Lieber Albert, mit dem Ent­hebungs­schrei­ben von Dei­ner Dienst­stel­le vom 11. 8. hat es fol­gen­de Be­wandt­nis:

Laut Gesetz vom Juni ist ein Per­so­nen­kreis aus Staats­stel­len zu ent­las­sen, der Amts­wal­ter, Funk­tio­näre, SS usw. um­faßt. Mit die­sem Ge­setz hat je­doch die­ses Schrei­ben nichts zu tun. Es ist be­grün­det mit einer Än­de­rung des Unter­richts­minis­teriums vom 8. 8., wonach alle Pg. u. PA. zu ent­he­ben (nicht zu ent­las­sen) sind. […]

Daß Du etwas fin­den wirst, um Euch zum min­des­ten durch­zu­brin­gen, wenn die NB [Natio­nal­bib­lio­thek] ver­sagt, hal­te ich für völ­lig si­cher.

Nun bin ich schon lange nur mehr am Wochen­ende bei Dei­ner Fami­lie, die lei­der immer dün­ner wird. Aber es ist noch im­mer bes­ser so, als eine Fort­set­zung der Zei­ten, in de­nen je­der Tag eine neue Auf­re­gung ge­bracht hat. Ich freue mich sehr, wenn du kommst, nun müßte noch Fritz H. [Heer] er­schei­nen, dann wäre al­les in Ord­nung!

Alles Liebe bis dahin von Deinem
Heinz F. [Fichtenau]

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